Vietnam-Notizen

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Ein Schwabmünchner serviert Weizen in Vietnam

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Ho-Chi-Minh-Stadt/Schwabmünchen. Wer die große Glastür öffnet und das Restaurant „Cepage“ in Ho-Chi-Minh-Stadt (dem früheren Saigon) betritt, der lässt die drückende Hitze und den Lärm der Metropole hinter sich. Im Reich des Schwabmünchners Andreas Ertle ist das Licht gedämmt, leise schwebt Musik durch den Raum. Es ist angenehm kühl. Der 40-Jährige mit den kurzen Haaren kommt aus der Küche, setzt sich an die Bar und bestellt ein Weißbier. Ein Stück Heimat in Vietnam.

Seit drei Jahren arbeitet Ertle als Manager und Küchenchef für das Edellokal, das im teuren Geschäftsviertel der Stadt liegt. Kein Zufall. Mit dem „Cepage“ sollen Geschäftsreisende und Ausländer angesprochen werden, die in dem südostasiatischen Land arbeiten. In der schillernden Wirtschaftsmetropole mit ihren sieben Millionen Bewohnern sollen es rund 30 000 Menschen sein. „Früher sind sie zum Essen in die Restaurants der Hotels gegangen, in denen sie gewohnt haben. Es gab ja keine Alternativen“, sagt Ertle.

Beim Blick auf die Speisekarte fallen zuerst die für Vietnam hohen Preisen auf, dann die Gerichte. Entenbrust, Fish and Chips, Risotto, Pasta und Wiener Schnitzel stehen darauf. Zubereitet werden die Gerichte mit wenig Fett – wegen der tropischen Außentemperaturen. Die vietnamesische Küche mit ihren vielen Fleisch-, Reis- und Nudelgerichten bleibt jedoch außen vor. Die Speisekarte ist auf Ausländer zugeschnitten.

Während draußen vor der Glastür die knatternden Motorroller vorbeijagen, hat es sich im Inneren ein Pärchen in den roten Polstersesseln bequem gemacht. Er im Hemd, sie im dunklen Kleid. Sie turteln, lächeln. Auf dem quadratischen Holztischchen vor ihnen stehen zwei Tassen Kaffee. Hinter ihnen erhebt sich eine Regalwand. Die zahlreichen Weinflaschen darin geben dem „Cepage“ – französisch für „Traube“ – seinen Namen. Zwei Männer um die 40 Jahre betreten das Lokal. Kurze Hosen, Poloshirts, zwei Frauen im Schlepptau. Sie unterhalten sich auf Englisch. Als Ertle die Männer sieht, begrüßt er sie auf Deutsch. 80 Prozent seiner Kundschaft kennt er.

Begonnen hat Ertles Karriere als Koch mit der Lehre im Augsburger Hotel „Riegele“. „Die Arbeit hat mir Spaß gemacht. Da war Action“, erinnert er sich. Anschließend kochte er in Frankreich, Österreich, USA, Japan, Russland. Wie Ertle berichtet, waren die Umgangsformen in den Küchen oft ruppig. Eine prägende Erfahrung, die sich nicht mit der feinfühligen vietnamesischen Mentalität verträgt. „Da muss man aufpassen“, sagt er, angesprochen auf seine 30 Angestellten. „Die sind sofort beleidigt.“

In Vietnam habe er gelernt, gelassen zu bleiben. So lagert etwa der Plan, zusätzlich eine Cocktailbar zu eröffnen, vorerst in der Schublade. Als er es noch eilig damit hatte, war das Vorhaben im letzten Moment geplatzt: Ein passendes Gebäude war gefunden, die Absprachen getroffen. Doch der Mietvertrag wich laut Ertle davon erheblich ab. „In Vietnam brauchst du Geduld.“ Seine Erfahrung: Pläne lassen sich nicht schnell umsetzen.

Wenige Wochen ist es her, dass der 40-Jährige seine Eltern in Schwabmünchen besucht hat. Selten führt ihn sein Weg nach Deutschland. Andreas Ertle: „Wenn ich ein paar Tage freihabe, dann fliege ich nach Singapur, Hongkong, Manila. Das liegt ja alles um die Ecke.“ Und in Japan könne er ja auch Ski fahren.

Auch langfristig zieht es ihn nicht zurück. „Mit Europa bin ich durch“, sagt er. In Vietnam sei es einfacher, ein Geschäft zu betreiben und wegen der niedrigen Löhne der Angestellten auch wirtschaftlich lukrativer. Deswegen ist die Arbeit nicht weniger. Rund 15 Stunden verbringt er jeden Tag in der Gaststätte. Erst spät in der Nacht öffnet Ertle dann die gläserne Eingangstür, schließt hinter sich das „Cepage“ zu und tritt hinaus auf die Straßen von Ho-Chi-Minh-Stadt, hinaus in die Hitze der Nacht.

Zeitungsartikel als pdf-Dokument: Download

Andreas Ertle führt in Ho-Chi-Minh-Stadt das Restaurant "Cepage".

Andreas Ertle führt seit drei Jahren in Ho-Chi-Minh-Stadt das Restaurant "Cepage".

Eine große Weinauswahl gibt dem "Cepage" - französisch für "Traube" - seinen Namen.

Eine große Weinauswahl gibt dem "Cepage" - französisch für "Traube" - seinen Namen.

Written by Fabian Schweyher

21. August 2010 at 07:34

Mit dem Fuggerexpress nach Vietnam

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Nach 22 Stunden, acht Colas, einem Spielfilm über südafrikanisches Football und einer Nacht auf drei Sitzplätzen hat meine Reise von Deutschland nach Vietnam ein Ende gefunden. Sanft setzte der Flieger auf der Landebahn von Ho-Chi-Minh-Stadt (Saigon) auf. Dabei hatte der Trip unfreundlich begonnen. Ein Rückblick.

Der Fuggerexpress bleibt wegen eines Bremsschadens im Augsburger Hauptbahnhof liegen. Um genau zu sein: nur der hintere Zugteil. Allerdings weiß das keiner der Ausgestiegenen. So braust die vordere Zuggarnitur plötzlich los und lässt mich ratlos zurück. Mit dem Nahverkehr in der Region werde ich mich vermutlich nie mehr anfreunden. Sei es darum. Die Welt wartet auf mich.

Flughafen München. Als ich die Maschine nach Bangkok betrete, schenkt mir die thailändische Besatzung ihr Lächeln. Das Flugzeug ist halb voll, hauptsächlich Geschäftsreisende sitzen darin. Die meisten Touristen sind im europäischen Winter auf dieser Route unterwegs.

Nach der Landung in der thailändischen Hauptstadt scheint mir grelles Sonnenlicht ins Gesicht. Der neue Flughafen ist weniger schick als vermutet. Unvergessen der alte Airport mit seiner Golfanlage zwischen den Rollbahnen.

Ich beobachte das Treiben. Schon komisch, wie sich die asiatischen Völker unterscheiden lassen. Thais, Khmer aus Kambodscha, vietnamesische Kinh. Jede Gruppe unterscheidet sich in Kleidung, Hautfarbe und Gesichtszügen.

Nach vier Stunden auf einem klebrigen Ledersessel geht es weiter nach Ho-Chi-Minh-Stadt. In dem Flieger sind hauptsächlich Asiaten unterwegs. Der Zufall will es, dass ich neben einem deutschen Geschäftsmann aus Nordrhein-Westfalen Platz nehme. Kurz nach der Landung steht er auf. „Wer schnell ausstiegt, lässt schnell die Einreisekontrolle hinter sich“, sagt er und flitzt mit seinem Rollkoffer aus der Maschine.

War es ein Fehler, dass ich auf dem Einreiseformular „Journalist“ als Beruf angegeben habe? Die gelangweilte Frau am Schalter mit der giftgrünen Uniform interessiert sich nicht dafür. Ihr reicht der Eintrag „Urlaub“ – und knallt den Einreisestempel der „Sozialistischen Republik Vietnam“ in den Pass.

Flieger nach Bangkok

Flieger nach Bangkok

Im Flughafen München

Im Flughafen München

Written by Fabian Schweyher

7. Juni 2010 at 06:15

Veröffentlicht in Beobachtungen, In transit

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